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Beleuchtung im Mittelalter

Das Mittelalter wird auch als dunkles Zeitalter bezeichnet. Dies trifft nicht nur (aus Sicht der Aufklärung) auf die Unwissenheit zu, sondern auch direkt im Wortsinne, denn Beleuchtung war im Mittelalter nicht ständig für alle sozialen Schichten verfügbar. Durch die Dunkelheit in den Häusern ist z. B. die Farbigkeit der bemalten Säulen in den Kirchen und die bunte Bemalung der „Bauernmöbel“ zu erklären: Diese mussten auffällig verziert sein, damit sie als gestaltete Möbel überhaupt wahrgenommen wurden. Der hellste Raum einer Gemeinde war wohl meist die Kirche, die als eines der frühesten Gebäude Glasfenster besaß und mit Kerzen erleuchtet wurde.

Die wichtigste Licht- und Wärmequelle war von der Steinzeit bis ins Mittelalter das Herdfeuer. Es bildete das Zentrum des Hauses. Bevor es Streichhölzer gab, war das morgendliche Feuermachen eine langwierige und mühevolle Arbeit. Es war die Aufgabe der Frau, mittels Stahl, Feuerstein und Zunder Feuer zu schlagen. Häufig wurden auch nachts glühende Kohlen mit Asche überdeckt, damit man morgens noch Glut hatte. Daraus wieder ein Feuer zu entzünden, gelang aber nicht immer.

Andere mittelalterliche Lichtquellen neben dem Herdfeuer sind Kienspäne, Fackeln, Lampen und Kerzen. Auch die Fenster dienten der Beleuchtung des Hauses. Die meisten Fenster wurden mit Holzläden verschlossen. Eine weitere Möglichkeit war die Verwendung von Tierblasen, die zumindest teilweise Licht durchließen. Ab dem 11./12. Jahrhundert gab es zunächst in Kirchen und später auch in bürgerlichen Häusern Glasfenster.

Kienspäne

Fackeln und Leuchtspäne wurden wahrscheinlich zur Beleuchtung im Mittelalter und in der Neuzeit genutzt. Sie wurden vom Reifenschneider extra für diesen Zweck hergestellt. Kien, das Holz der harzreichen Kiefer, wurde am häufigsten verwendet, obwohl es stark rußte. Auch Buchen- und Birkenspäne dienten zur Beleuchtung. Die Leuchtspäne wurden am Herdfeuer entzündet. Auf Bildquellen der frühen Neuzeit sind Eisenkörbe auf langen Stangen abgebildet, in denen ein brennender Span verbrannt wurde. Leuchtspäne wurden auch bei der Arbeit im Mund getragen, wie auf einem Bild von Olanus Magnus von 1555 zu sehen ist.

Ein Mann und eine Frau tragen Kienspäne im Mund. Aus der Historia de gentibus septentrionalibus (1555) von Olaus Magnus (1490-1557).
Ein Mann und eine Frau tragen Kienspäne im Mund. Aus der Historia de gentibus septentrionalibus (1555) von Olaus Magnus (1490-1557).

In reicheren Familien und in der Neuzeit auch in Bauernfamilien waren Kienspanhalter verbreitet. Für das Aufstecken eines neuen Spans waren meist Kinder zuständig. Es war üblich, dass sich die Familie abends um den Kienspanhalter versammelte, wobei die Frauen Handarbeiten erledigten und die Männer schnitzten.

Im Freien wurden zur Beleuchtung im Mittelalter Fackeln genutzt. Dabei handelt es sich um ein langes Holzstück, das mit Harz, Fett, Öl, Wachs oder Pech getränkt und entzündet wurde.

Lampen

Lampen sind archäologisch bereits in der Steinzeit nachgewiesen. Weiterentwicklungen in der Lampentechnik wurde von den Griechen und Römern erzielt. Sie nutzten geschlossene Tonlampen, die über eine Docht- und Einfüllöffnung verfügten, und Olivenöl, das ohne Ruß und Gestank verbrannte. Römische Lampen wurden sogar im wikingerzeitlichen Haithabu gefunden. Im Mittelalter war Olivenöl nördlich der Alpen jedoch kaum verfügbar. Meist wurde Unschlitt zum Speisen von Lampen genutzt, d. h. unverarbeitetes Nieren- oder Bauchfett von Rind, Schwein oder Hammel, das von Bindegewebe durchsetzt war und beim Verbrennen stank und rußte. Später wurde aus Unschlitt Tran hergestellt, der weniger stank. Vermutlich wurde auch schon im Mittelalter Wal- und Robbentran verwendet, der aus dem Nordmeer importiert wurde.

Auch pflanzliche Öle wurden als Brennstoff in Lampen gefüllt, z. B. Leinöl oder das Öl des Ackersenfs. Hildegard von Bingen (1098-1179) erwähnt Rüböl aus Rübsen, einer Rapspflanze, als Leuchtmittel. Als Docht diente ein Faden, z. B. aus Hanf, Flachs oder Baumwolle.

Darstellung eines Laternenmachers aus dem Ständebuch (1568) von Hans Sachs (1494-1576).
Darstellung eines Laternenmachers aus dem Ständebuch (1568) von Hans Sachs (1494-1576).

Lampen wurden vom Mittelalter bis in die Neuzeit z. B. aus Holz, Eisen, Ton oder Glas hergestellt. Glaslampen wurden unten mit Wasser gefüllt, um ein Zerspringen zu verhindern und die Brandgefahr zu verringern. In Norddeutschland waren bis in die Neuzeit kleine eiserne Lampen zum Aufhängen, sogenannte Krüsel, verbreitet.

Kerzen

Kerzen waren teurer als Leichtspäne. Sie brannten etwa so hell wie ein Kienspan, aber sicherer und länger. Vor allem die Kirche hatte einen hohen Bedarf an Kerzen. Diese waren beispielsweise bei der Taufe und beim Begräbnis liturgisch vorgeschrieben. Daher war Bienenwachs während des Mittelalters eine wichtige Handelsware, die vor allem aus Osteuropa importiert wurde. Dort war im Gegensatz zu Mitteleuropa eine Waldbienenhaltung möglich. Kerzen konnten aber auch aus Walrat, Unschlitt oder Talg hergestellt werden. Als Docht diente ein einzelner Strang Leinen, Binsen oder Baumwolle. Dieser verglühte jedoch nicht vollständig, sondern brachte die Flamme zum Rußen. Deshalb musste das verkohlte Ende regelmäßig abgeschnitten werden, d. h. die Kerze musste geputzt oder „geschnäuzt“ werden. Dazu wurden Lichtputzscheren aus Messing oder Eisen verwendet. Diese besaßen vorn ein Kästchen, in das der abgeschnittene Docht fiel.

Stillleben mit brennender Kerze (1627) von Peter Claesz (ca. 1597–1660). Vorn links ist eine Lichtputzschere zu sehen.
Stillleben mit brennender Kerze (1627) von Peter Claesz (ca. 1597–1660). Links im Vordergrund ist eine Lichtputzschere zu sehen.

Der Autor Christian Radtke schreibt (in: Matz, Jutta/Mehl, Heinrich (Hrsg.): Vom Kienspan zum Laserstrahl, S. 10):

Alle Quellen machen deutlich: Das Mittelalter rang ums Licht. Seine von der Aufklärung verhöhnte Finsternis war symbolisch gemeint und galt noch mehr im Wortsinne. Es gab keine durchgängige, jedermann zur Verfügung stehende Beleuchtung. Vornehmen Gästen mag mit einer Laterne ‚heimgeleuchtet‘ worden sein. Licht war eine Sache des Standes: je einfacher, desto dunkler. Der hellste Raum in der Gemeinde war wohl die Kirche, der Raum des göttlichen Lichtes. Dieses Licht war das Ziel allen Denkens und Glaubens.

Literaturhinweise:

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4 Gedanken zu „Beleuchtung im Mittelalter

  1. Ralf Grabuschnig | Déjà-vu Geschichte

    Schöner Beitrag zu einem Thema, über das man sonst nicht so viel hört. Das blieb ja auch über weite Teile der Neuzeit hinweg noch ganz ähnlich. In dem Kontext wird erst mal klar, was für eine gigantische Veränderung die industrielle Revolution wirklich mit sich brachte. Allein die Erfindung von Gaslampen und Ausleuchtung der Straßen der größeren Städte muss das Leben der Menschen von Grund auf verändert haben. Von der Elektrizität, die die das Verständnis von Tag und Nacht nochmal vollkommen über den Haufen warf, ganz zu schweigen.

    Antworten
    1. Björn

      Das stimmt. Die Gaslampen und dann später die elektrische Beleuchtung brachten schon eine enorme Veränderung. Damit fiel unter anderem auch der Grund für eine Menge Angst und Aberglauben weg. Über das Thema Dunkelheit und Aberglauben habe ich ja auch schon mal einen Beitrag geschrieben, siehe .

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  2. Rainer Uerlings

    Hallo Björn,
    das ist eine gute und detaillierte Ausarbeitung eines - eigentlich doch sehr - bedeutsamen Themas, vor allem wenn man das frühe MA mit unseren "verwöhnten" Augen sieht.
    Ich habe da noch eine inhaltliche Frage.
    Für eine Ausstellung bin ich zur Zeit dabei eine heute noch existierende aber vielfach umgebaute Dorfkirche im romanischen Stil von ca 1100 bis max. 1300 im Modell (Maßstab 1:18) zu bauen.
    In diesem "großen Maßstab kommt es allerings auch auf die richtigen Details an.
    Deshalb meine Frage: Wie soll ich den Kirchenraum (Schiff/Langhaus) beleuchten? Fackeln an den Wänden mit festen Wandhaltern wie in einigen Burgen oder nur Kerzen (es gibt romanische Wandmalereien im Schiff und im Chor die man doch sicherlich auch zeigen wollte) oder eine Kombination aus Kerzen und Fackeln?
    Wäre schön und hilfreich hierzu Deine Meinung zu erhalten.
    Vielen Dank schon mal im Voraus .

    Gruß
    Rainer

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    1. Björn

      Hallo Rainer,

      da bin ich leider überfragt. So detailliert habe ich mich mit dem Thema nicht beschäftigt. Vermutlich war dies auch regional unterschiedlich und in einer Dorfkirche noch mal anders als in der Stadt. Ich würde an deiner Stelle mal schauen, ob es Literatur über dieses Thema in deiner Region in der entsprechenden Zeit gibt.

      Viele Grüße
      Björn

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