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Kindheit im Mittelalter Teil 3: Kinderspiele

Im Mittelalter spielten Kinder und Erwachsene in ihrer Freizeit zahlreiche Spiele, die zum Teil heute noch bekannt sind. Der Zeitraum, der den Kindern im Mittelalter zum Spielen blieb, war jedoch kürzer als heute. Einerseits war es üblich, Kinder während der ersten 1-2 Lebensjahre fest einzuwickeln, sodass sie sich nicht frei bewegen konnten. Andererseits mussten Kinder bereits mit 5-7 Jahren Arbeiten erledigen, sodass sie nur in Arbeitspausen, an Sonn- und Feiertagen spielen konnten.

Wie heute, so waren auch früher Spiele im Sand verbreitet, um daraus Türme, Häuser und Mauern zu bauen. Auch Geschicklichkeits- und Kraftspiele wie Kopfstehen und Radschlagen wurden gespielt. Das Hüpfspiel (z. B. als Paradiesspiel oder Himmel und Hölle bezeichnet) war vermutlich ebenfalls schon im Mittelalter bekannt. Weiterhin gab es Fang- und Suchspiele, Wurfspiele mit Kugeln, Münzen oder Ringen sowie Darstellungs- und Rollenspiele.

Unter den Rollenspielen ist das Bischofspiel besonders bemerkenswert. Zu einer bestimmten Zeit im Jahr wurde ein Junge ausgewählt, um das Amt des Bischofs zu übernehmen. In Mainz dauerte seine Herrschaft vom Tag vor Nikolaus bis zum Tag der unschuldigen Kinder am 28. Dezember. Der Kinderbischof trat während dieser Zeit auch oft in einem Schauspiel auf. So sprach er beispielsweise Weihnachten 1417 in Konstanz im Schwäbischen Weihnachtsspiel den Prolog. Kinder ahmten auch gern Berufe nach, zum Beispiel bei dem besonders bei Mädchen beliebten Kaufmannsspiel. Jungen rauften gern oder ahmten Kampfspiele nach.

Zur Herstellung von Spielzeug wurde im Mittelalter wenig Aufwand getrieben. Spielzeug wurde meist zu Hause von den Erwachsenen oder Kindern selbst gefertigt und nur selten auf dem Markt gekauft. Ein Beispiel dafür sind Puppen aus Holz oder Ton, mit denen vor allem Mädchen gern spielten. In Nürnberg sind 1413 und 1465 berufsmäßige „Dockenmacher“ (Puppenhersteller) bezeugt. Wurfbälle strickten sich die Mädchen vermutlich selbst. Die Kegel und das Schlagholz für das Schlagballspiel konnte man vom Drechsler oder Tischler bekommen. Schweinsblasen, die als Rassel, zum Schlagen oder Schwimmen verwendet wurden, fielen beim Schlachten an. Modelle von Tieren bastelten sich die Kinder zum Beispiel aus Tannenzapfen. Einen Bauernhof konnten sie sich aus Lehm, flachen Steinen und Holzstücken zusammenbauen (dies wird in der Heimskringla beschrieben). Vor allem Bauernkinder übten daran ihren späteren Umgang mit Tieren ein.

Pieter Bruegel der Ältere: Kinderspiele (1560).

Kinder spielten auch mit echten Tieren, wobei es oft zu Tierquälereien kam. So wird in einer Quelle berichtet, dass Jungen einem gefangenen Vogel eine Schnur um ein Bein banden und den Vogel auffliegen ließen, ihn dann jedoch wieder zurückrissen. Vögel wurden von Kindern auch zum Vergnügen erlegt, zum Beispiel mit einem Blasrohr. Dies war sicher zum Teil eine Vorbereitung auf die spätere Jagd. Tierkämpfe waren eher unter Erwachsenen verbreitet, zum Beispiel Hahnenkämpfe.

Verwendete Literatur:

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