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Kindheit im Mittelalter Teil 7: Kindesmisshandlungen

Mit dem Thema Kindesmisshandlung will ich meine Serie zu Kindern und Kindheit im Mittelalter abschließen. Ich denke, dass man auch diesen Aspekt nicht verschweigen sollte, der damals und leider bis ins 21. Jahrhundert noch immer für viele Kinder zum Alltag gehört(e). Die Prügelstrafe war im Mittelalter weit verbreitet. Das Ziel der Prügelstrafe war, Kindern Furcht und Gehorsam gegenüber den Erwachsenen beizubringen. Vor allem Jungen hatten darunter zu leiden. Die Prügelstrafe für Mädchen wird in der mittelalterlichen Literatur seltener erwähnt.

Manchmal berief man sich zur Rechtfertigung auf folgende Bibelzitate: „Wer seine Rute schont, hasst seinen Sohn“ (Spr 13, 24) und „Entziehe dem Knaben die Züchtigung nicht! Wenn du ihn mit der Rute schlägst, wird er nicht sterben. Du schlägst in mit der Rute, aber rettest sein Leben vor der Hölle“ (Spr. 23, 13 f.). Im Grunde war jedoch aus mittelalterlicher Sicht keine Begründung notwendig, denn die Prügelstrafe war althergebrachter Brauch.

Nicht nur die Eltern, sondern auch Lehrer schlugen die ihnen anvertrauten Kinder. Bereits aus der Antike wird darüber berichtet, so zum Beispiel durch den Kirchenvater Augustinus von Hippo, der sich als Erwachsener rückblickend über seinen Lehrer beklagte, der ihn und seine Mitschüler geschlagen hatte. Auf Bildern werden Lehrer meist mit der Rute in der Hand dargestellt. Damit es immer einen ausreichenden Vorrat an Ruten gab, war es üblich, dass die Schüler beim sogenannten Virgatum-Gehen selbst die Ruten schnitten, die sie dann im Laufe des Jahres zu spüren bekommen würden.

 

Der Schulmeister von Eßlingen. Darstellung im Codex Manesse.
Der Schulmeister von Eßlingen. Darstellung im Codex Manesse (zwischen 1305 und 1340).

Einige Autoren riefen zur Mäßigung auf. Der Prediger Berthold von Regensburg warnte davor, Kinder mit der Hand an den bloßen Kopf zu schlagen. Nur wenige Autoren sprachen sich gegen die Prügelstrafe aus, so Walther von der Vogelweide. Er vertrat die Meinung, dass solche Kinder, die man überhaupt zu einem ehrenvollen Leben erziehen könnte, tadelnde Worte wie einen Schlag empfinden würden.

Erst ab dem 17. Jahrhundert wurde versucht, das Schlagen von Kindern einzuschränken. Einen stärkeren Rückgang des Schlagens gab es im 18. Jahrhundert. Der Historiker Lloyd deMause schreibt: „Die frühesten von mir entdeckten Lebensläufe von Kindern, die überhaupt nicht geschlagen wurden, datieren aus den Jahren 1690 bis 1750.“ Dennoch wurden auch in der Neuzeit noch immer viele Kinder von ihren Eltern und Lehrern geschlagen.

Zu den physischen Misshandlungen kamen psychische Quälereien: Eltern und Dienstmädchen schüchterten die Kinder ein, indem sie von Hölle und Teufel oder von Dämonen erzählten, zum Beispiel vom butzen (Butzemann). Manche Kindermädchen nutzten furchterregende Puppen oder Masken, um Kinder zu erschrecken. Auch mit wilden Tieren wurde den Kindern gedroht, vor allem mit dem Wolf. Zudem wird in den Quellen auch von sexuellen Belästigungen von Kindern durch Erwachsene berichtet, was damals nicht als problematisch gesehen wurde.

Angesichts dieser Befunde aus früheren Zeiten sollten wir die Fortschritte zu schätzen wissen, die die Misshandlung und den sexuellen Missbrauch von Kindern heute zwar nicht ganz verhindern können, aber zumindest eine eindeutige Rechtslage geschaffen haben. So ist seit dem Jahr 2000 in Deutschland jegliche Körperstrafe in der Erziehung verboten.

Verwendete Literatur:

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