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Redewendungen aus dem Mittelalter: Körperteile

Körperteile werden in vielen Redensarten benutzt, um Sachverhalte bildlich auszudrücken. Die Hand ist ein sehr wichtiger Körperteil des Menschen, besonders die rechte. Kein Wunder, dass dies auch in Redensarten zum Ausdruck kommt. Die Redewendung jemandes rechte Hand sein in der Bedeutung „sein tätigster Helfer sein“ ist schon im Mittelalter bezeugt. So nennt Wolfram von Eschenbach im Willehalm den verlorenen Rennewart „meine rechte Hand“.

Hand und Fuß haben bezog sich im Mittelalter nur auf die rechte Hand und den linken Fuß, denn ein Ritter war nach mittelalterlichem Verständnis nur dann wehrhaft, wenn mit der rechten Hand das Schwert führen und mit dem linken Fuß in den Steigbügel treten konnte. Es war eine schwere Strafe, wenn einem Verbrecher eines oder gar beides abgeschlagen wurde. Dadurch wurde ihm nicht nur Hand und Fuß, sondern auch seine Mannhaftigkeit genommen. Ähnliche Ausdrücke finden sich übrigens schon bei römischen Autoren, z. B. bei Plautus, Cicero und Livius.

Die Redewendung Hals- und Beinbruch geht auf ein Missverständnis zurück. Diese Redensart kommt aus dem Jiddischen und lautet ursprünglich hazloche un broche, das bedeutet „Glück und Segen“. Für Menschen, die kein Jiddisch verstanden, klang dies wie „Hals- und Beinbruch“. Es ist aber gar nicht so ungewöhnlich, sich aus Aberglaube etwas scheinbar Schlechtes zu wünschen. So wünschen sich Seeleute Mast- und Schotbruch und meinen damit das Gegenteil.

Bein bedeutete übrigens ursprünglich „Knochen“. Dies wird heute noch in Wörtern wie „Gebein“, „Elfenbein“ oder den Bezeichnungen für einzelne Knochen wie „Stirnbein“ deutlich. Entsprechend ist die Redewendung durch Mark und Bein zu verstehen. In der Redensart Stein und Bein schwören ist mit Stein und Bein etwas sehr Festes gemeint, es geht hier also um einen sehr starken Eid.

Das Herz wurde als Sitz der Empfindung oder auch des Mutes betrachtet. Darauf beziehen sich Redewendungen wie sich ein Herz fassen oder das Herz in die Hand nehmen. Im Gegensatz dazu fällt oder rutscht einem Feigling das Herz in die Hose. Sehr offenherzig ist hingegen jemand, der das Herz auf der Zunge trägt. Dieselbe Bedeutung hat die Redensart das Herz in der Hand tragen. In beiden Fällen verrät derjenige alles, was in ihm vorgeht. Sein Herz ausschütten bedeutet, alles zu sagen, was man auf dem Herzen hat. Dabei wird das Herz als Gefäß gedacht, das überquillt. Ebenso heißt es in der Bibel: „Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über.“ (Matth 12,34)

Wer nicht auf den Kopf gefallen ist, ist „kein Dummkopf“, so wie man umgekehrt durch einen Sturz auf den Kopf eine Gehirnerschütterung erleiden und seinen Verstand verlieren kann.

Augenoperation (Starstich) in einem mittelalterlichen Manuskript (um 1195).
Augenoperation (Starstich) in einem mittelalterlichen Manuskript (um 1195).

Die Redensart ein Auge zudrücken bedeutet „(ein Vergehen) milde beurteilen“. In einigen bäuerlichen Rechtssatzungen wurde der Richter manchmal angewiesen, einen einäugigen Büttel (Ordnungshüter) mit einem einäugigen Pferd zu schicken, um anzudeuten, dass er unter Umständen Gnade für Recht ergehen lassen sollte.

Es fällt mir wie Schuppen von den Augen im Sinne von „jetzt begreife ich die Sache plötzlich“ bezieht sich ursprünglich auf die Befreiung eines am Grauen Star Erkrankten von seiner Blindheit. Bereits seit dem Altertum ist der sogenannte Starstich bekannt, eine Operation, mit der versucht wurde, Menschen vom Grauen Star zu befreien.

Verwendete Literatur:

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