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Redewendungen aus dem Mittelalter: Tierisches

Ich war nun schon seit längerer Zeit nicht mehr hier im Blog aktiv. Das soll sich ändern, es wird in Zukunft wieder neue Beiträge geben. Wie regelmäßig das sein wird, kann ich allerdings noch nicht sagen. Heute beginne ich mit einem Beitrag über Redewendungen.

Zahlreiche alte Redewendungen, von denen viele bereits im Mittelalter geprägt wurden, beziehen sich auf Tiere. Die Redensart auf der Bärenhaut liegen mit der Bedeutung „faulenzen“ wurde durch Humanisten geprägt (und stammt damit streng genommen nicht aus dem Mittelalter). Sie ist zuerst 1509 in Heinrich Bebels Facetien bezeugt. Diese Redewendung verbreitete sich später wohl vor allem durch das 1875 von Kunitz und Ruer gedichtete Lied Tacitus und die alten Deutschen, dessen zehnte Strophe lautet:

Die alten Deutschen, sie wohnen auf beiden Seiten des Rheins,
sie liegen auf Bärenhäuten und trinken immer noch eins.

Die Redensart jemandem einen Bären aufbinden (auch: anbinden) für „weismachen“ ist seit 1636 belegt. Sie taucht in der gleichen Bedeutung auch ohne Bär auf: einem etwas aufbinden. Der Bär ist die Steigerung davon, da es unmöglich ist, jemandem einen Bären auf den Rücken zu binden, ohne dass dieser es bemerkt. Für diese Redewendung wurden verschiedene Erklärungen herangezogen. Eine davon lautet, mit Bär sei hier der mittel- und niederdeutsche Ausdruck Bere, Bäre in der Bedeutung „Abgabe, Last“ gemeint.

Stumm wie ein Fisch ist ein Ausdruck für die sprichwörtliche Stummheit, der bereits im alten Ägypten belegt ist. Andererseit ist der Fisch im Wasser in seinem Element; daher wird eine Person, die gesund und lebendig wirkt, als gesund wie ein Fisch im Wasser bezeichnet. Diese Redewendung ist bereits in Konrads von Würzburg (gest. 1287) Trojanischem Krieg belegt.

Wachsmut von Künzingen (1. Hälfte 13. Jh.) führte Fische im Wappen. Miniatur aus dem Codex Manesse (um 1300).

Schwein gehabt bedeutet „Glück im Unglück gehabt“. Unglück deshalb, weil früher in Wettbewerben, wie zum Beispiel Pferderennen und Wettschießen, der Trostpreis häufig ein Schwein war. Man machte sich lächerlich, wenn man nach dem Wettbewerb ein Schwein nach Hause trieb, aber immerhin hatte man etwas relativ Wertvolles gewonnen.

Auf den Hund kommen heißt so viel wie „herunterkommen, wirtschaftlich ruiniert sein“. Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen: Im Mittelalter malten viele Menschen auf den Boden der Truhe, in der sie ihr Geld aufbewahrten, einen Hund, der symbolisch als Wächter dienen sollte. War kein Geld mehr übrig, war man auf den Hund gekommen. Eine weitere Erklärung für diese Redewendung lautet: Wenn man sich weder ein Pferd noch einen Ochsen oder Esel leisten konnte, musste man einen Hund vor seinen Wagen spannen.

Aus der verächtlichen Bedeutung, mit der der Hund belegt war, sind auch andere abwertende Zusammensetzungen erklärbar, wie Hundewetter, hundemüde und verhunzen, das eigentlich verhundzen geschrieben werden müsste.

Jemand, der völlig durchnässt ist, sieht aus wie eine gebadete Maus. Diese Redewendung ist schon im Satyricon des Petronius (gest. 66) belegt und bezieht sich darauf, dass man eine in der Falle gefangene Maus normalerweise ertränkte. Da beißt die Maus keinen Faden ab geht vermutlich auf die Beteuerung eines Schneiders zurück, nichts vom dem Stoff zu veruntreuen, den er von seinen Kunden zur Verarbeitung bekam.

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen für „einen doppelten Zweck auf einmal erreichen“ ist die letzte von mehreren ähnlichen Redensarten, die bis heute übrig geblieben ist. Unter anderem sind folgende überliefert: Zween Brey in einer Pfannen kochen, Zween Füchs in einer Höhle fahen und Du wilt mit einer Tochter zween Eydam [Schwiegersöhne] machen.

Verwendete Literatur:

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