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Harsefeld (Niedersachsen) im Mittelalter

Vor einiger Zeit habe ich Freunde in Harsefeld besucht, einem Flecken* im Kreis Stade in Niedersachsen. Der Namensbestandteil „Harse“ kommt vom altsächsischen horsa oder hers, also „Pferd".

Altsächsisch? Ja, denn im heutigen Niedersachsen lebte der germanische Stamm der Sachsen, der um 800 von Karl dem Großen unterworfen und ins Frankenreich eingegliedert worden war. Im heutigen Bundesland Sachsen lebten zur damaligen Zeit slawische Stämme. Nach dem Sturz des Sachsenherzogs Heinrichs des Löwen 1180 ging der sächsische Herzogstitel an den Askanier Bernhard, der seinen Sitz in Bernburg (Sachsen-Anhalt) hatte. Da die Askanier 1423 ausstarben, erhielten die Wettiner, die damals in Meißen residierten, den Titel. Infolgedessen bezeichnete man das gesamte Herrschaftsgebiet der Wettiner als Sachsen. Für den in Norddeutschland gelegenen Bereich nutzte man die Bezeichnung "Niedersachsen".

Nach diesem kleinen Exkurs komme ich zurück zu meinem eigentlichen Thema.

In Harsefeld bestand ab 969 eine Burg des Adelsgeschlechts der Udonen. Davon ist heute aber nichts mehr erhalten, denn die Udonen verlegten schon am Anfang des 11. Jh. ihren Sitz nach Stade und nannten sich Grafen von Stade. In Harsefeld gründeten sie ein Stift für Weltgeistliche, das den Grafen zugleich als Begräbnisstätte diente. Die Udonen wandelten das Stift um 1100 in ein Benediktinerkloster um, da sie verhindern wollten, dass die Bremer Erzbischöfe es sich aneigneten. Spätestens im 14. Jahrhundert errangen die Klostervorsteher den Titel eines Erzabtes.

Während der Reformationszeit traten viele Menschen zum evangelischen Glauben über, aber der Erzabt hielt am katholischen Glauben fest. Erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 wurde das Kloster aufgehoben.

Von dem Kloster sind heute nur noch Ruinen erhalten. Die ehemalige Klosterkirche wurde wiederaufgebaut. Auf den Fundamenten des Klosters befindet sich auch ein Museum (das ich leider nicht besucht habe).
Klosterruine Harsefeld

Weitere Sehenswürdigkeiten

Wer in Harsefeld Urlaub machen will und sich nicht nur fürs Mittelalter interessiert, kann auch die Großsteingräber am Archäologischen Wanderpfad Daudieck besuchen. Nordöstlich von Harsefeld gibt es einen Garten der Steine, an dem man einiges über erdgeschichtliche Zusammenhänge lernen kann.

* Ein Flecken ist ein Ort, der im Mittelalter für die umliegenden Dörfer eine Zentralfunktion erfüllte und häufig das Marktrecht, aber nicht das Stadtrecht besaß.

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