Als Hauptursachen der Judenfeindlichkeit im Mittelalter lassen sich vor allem Vorurteile, Aberglauben und Unwissenheit identifizieren, wie weiter unten gezeigt wird. Einzelne Aufwiegler nutzten im Volk verbreitete Vorurteile und konnten so die Menschen gegen ihre jüdischen Mitbürger aufhetzen.

Die mittelalterliche Judenfeindschaft knüpfte nicht einfach an einen Antijudaismus aus der Antike an. Antike heidnische Autoren äußerten sich überwiegend neutral über die Juden. Daneben halten sich positive und negative Darstellungen die Waage. Erst im frühen Christentum entstand eine Judenfeindschaft mit spezifisch christlichen Argumenten. Diese entwickelte sich aus einer Konkurrenzsituation heraus, da das Christentum aus dem Judentum hervorgegangen war. Die Christen verstanden sich als „wahres Israel“ und „neuer Bund“ mit Gott, aus dem die Juden ausgeschlossen waren. Zudem gaben die Christen den Juden die Schuld an der Ermordung Christi. ...weiterlesen "Juden im Mittelalter – Teil 3: Ursachen der Judenfeindschaft"

Im zweiten Teil meiner Serie mit Schwerpunkt Franken bzw. Würzburg gehe ich auf die großen Judenverfolgungen seit dem ersten Kreuzzug (1096-99) bis zur Pestepidemie Mitte des 14. Jh. ein. Pogrome fanden in Würzburg hauptsächlich während des zweiten Kreuzzuges (1147) und 1298 sowie 1349 statt. Über die allgemeinen Rahmenbedingungen, unter denen die Juden im Mittelalter lebten, und über die 150 Jahre währende Blütezeit der Würzburger Gemeinde zwischen den Verfolgungswellen habe ich bereits im ersten Teil geschrieben. ...weiterlesen "Juden im Mittelalter – Teil 2: Die Judenverfolgungen ab 1096"

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Heute möchte ich eine kleine dreiteilige Serie starten, in der ich mich mit dem Leben der Juden im Mittelalter beschäftige. Dabei setze ich meinen Schwerpunkt auf Franken, vor allem Würzburg. In Franken leben seit dem 11. Jahrhundert Menschen jüdischen Glaubens. Im Gegensatz zu anderen Territorien des Deutschen Reiches wurden Juden von hier nie dauerhaft vertrieben. Besonders in Unterfranken gab es bis zur Nazizeit viele jüdische Gemeinden. Die Würzburger Gemeinde mit zeitweise rund 900 Menschen war aufgrund zahlreicher gelehrter Persönlichkeiten im Mittelalter europaweit bekannt. Bevor ich zu meinem regionalgeschichtlichen Schwerpunkt komme, gehe ich kurz auf die Rahmenbedingungen ein, unter denen die Juden während des Mittelalters in Deutschland lebten. ...weiterlesen "Juden im Mittelalter – Teil 1: Die Blütezeit der Würzburger Gemeinde"

Vor Kurzem war ich in Norddeutschland und habe unter anderem einen halben Tag in Lübeck verbracht. Leider hatte ich wenig Zeit und konnte nur ein paar der wichtigsten Sehenswürdigkeiten anschauen.

Das Holstentor gilt ja als Wahrzeichen Lübecks, aber die wenigsten wissen, dass es darin auch ein Museum gibt. Ich empfehle es Leuten, die einen kurzen Einblick in die Geschichte der Stadt bekommen wollen, ohne viel Zeit zu investieren. Mit 7 Euro ist der Eintrittspreis moderat, auf jeden Fall günstiger als im Europäischen Hansemuseum (derzeit 12,50 Euro, ermäßigt 11 Euro). Außerdem liegt das Museum Holstentor in der Nähe des Hauptbahnhofs, sodass Bahnreisende es nicht weit haben. ...weiterlesen "Ein Besuch in Lübeck"

Woher kommt die sexualitätsfeindliche Einstellung der Kirche? Weshalb gilt Lust nach katholischer Lehre noch immer als Sünde, sodass Sexualität nur der Fortpflanzung dienen soll? Wie ich zeigen werde, stammen die christlichen Sexualitäts- und Ehevorstellungen aus der antiken Philosophie und wurden von Religionen wie dem Manichäismus beeinflusst. Die Abwertung der Sexualität als Sünde ist also weder eine christliche Erfindung noch etwas Natürliches und Selbstverständliches, sondern es handelt sich dabei bestimmte in der Antike entstandene Vorstellungen, die, über das Christentum vermittelt, bis in unsere Zeit überliefert wurden. ...weiterlesen "Sexualität und Sünde – Der Ursprung des asketischen Ideals im Christentum"

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Am Wochenende habe ich (trotz der Hitze) mit einem Bekannten einen Spaziergang gemacht. Wir waren auf dem Volkenberg bei Erlabrunn, auf dem im Mittelalter die Burg Falkenberg stand. Sie wurde um 1170 von Bodo I. von Ravensburg, einem Ministerialen des Hochstifts Würzburg, errichtet. Zur gleichen Zeit erbauten die Herren von Ravensburg die auf der anderen Mainseite zwischen Veitshöchheim und Thüngersheim gelegene Ravensburg, die namensgebend für die Familie wurde. ...weiterlesen "Burg Falkenberg bei Erlabrunn"

Bereits bevor sich die Archäologie als Wissenschaft entwickelte, fanden die Menschen immer wieder Hinterlassenschaften früherer Kulturen im Boden. Da ihnen wissenschaftliche Erklärungen für die Herkunft dieser Objekte unbekannt waren, entwickelten sie abergläubische Vorstellungen. Steinbeile aus der Jungsteinzeit hielten für die Spitzen von Blitzen, die vom Himmel geschleudert wurden. Daher nannten sie diese Steine Donnerkeile. Auch die versteinerten Skelette von Kopffüßern (Belemniten) wurden so bezeichnet.

Steinaxt aus dem Museum Pachten (Saarland)
Steinaxt aus dem Museum Pachten (Saarland) © LoKiLeCh – CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
...weiterlesen "Donnerkeile als Glücksbringer, Amulette und Medizin"

Neulich habe ich in einem Buch über Franz Kafka und das Jüdische in seinem Werk geblättert und bin dabei zufällig auf ein Thema aufmerksam geworden, das zum Mittelalter passt: Die mittelalterliche Kabbala wurde vom Neuplatonismus beeinflusst, an der sich auch christliche Philosophen wie Thomas von Aquin orientierten. Es besteht also keine große Kluft zwischen beiden Religionen, sondern sie waren im Mittelalter den gleichen Einflüssen ausgesetzt.

Ein zentraler Grundgedanke der Kabbala ist der Glaube von der Einheit allen Seins. Die sichtbare Welt ist mit den unsichtbaren Welten des Göttlichen und Himmlischen […] in einer einzigen Kette des Seins verbunden, nämlich durch den Fluß der Emanation des göttlichen Lichtes und Lebens, das alle Welten hervorgebracht hat und sie erhält.

...weiterlesen "Neuplatonische Einflüsse in der jüdischen Philosophie des Mittelalters"