Springe zum Inhalt

Kindheit im Mittelalter Teil 2: Meinungen zur Zeugung von Kindern

Die Zeugung von Kindern wurde im Mittelalter nicht eindeutig positiv oder negativ beurteilt. Einerseits wurden Kinder als Quelle des Glücks betrachtet; andererseits stammten die Freuden, die zur Zeugung führten, angeblich vom Teufel. Ein gottgeweihtes Leben ohne Familie galt im Mittelalter als die christlichere Lebensweise. Priester, Mönche und Nonnen entsagten den Freuden, aber auch den Leiden des Familienlebens. Aus geistlicher Sicht wurde es positiv gesehen, wenn Menschen sich ganz Gott hingaben und ins Kloster gingen, auch wenn dies bedeutete, dass sie ihre Kinder im Stich ließen.

Dennoch war die Haltung der Kirche zu diesem Thema nicht eindeutig. Da dem Christentum alles menschliche Leben als heilig gilt, wurde die Tötung von Säuglingen und die Abtreibung als Verstoß gegen das Gebot der Nächstenliebe gesehen. Aus diesem Grunde war es üblich, die Ächtung oder Hinrichtung einer schwangeren Frau bis nach der Geburt aufzuschieben. Auch erlaubten es mehrere geistliche Orden Eltern, die in ein Kloster eintreten wollten, ihre Kinder mitzubringen.

Aus kirchlicher Sicht wurde bezüglich der Zeugung von Kindern klar unterschieden zwischen Laien und Geistlichen. Laien wurden ermahnt, zu heiraten und Kinder zu zeugen. Männer, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht heiraten wollten, wurden von den Priestern ebenso getadelt wie verheiratete Männer, die keine weiteren Kinder zeugen wollten, weil sie sie nicht ernähren konnten.

Sicht weltlicher (meist männlicher) Autoren bedeuteten Kinder Kummer und Sorgen, da sie Geld kosteten, den Eltern Mühe und Sorgen bereiteten und Männer zu Sklaven ihrer Ehefrauen machten. Ein Satiriker schreibt:

Weder das kleine noch das mittlere noch das große Kind kann man lieben. Das Kleinkind ist schwer aufzuziehen, und es läßt die Leute nachts nicht schlafen. Das mittlere Kind geht die Straße hinunter und muß vor Pferd und Wagen geschützt werden. Das ältere Kind streitet mit den Eltern um die Erbschaft und muß aus dem Wirtshaus geholt werden.

Es gab allerdings auch weltliche Autoren, die Kinder als größte Freude für die Eltern betrachteten. Wer Kinder hinterlasse, sei nicht ganz tot, sondern lebe in seinen Kindern weiter. Für Adlige war es aus politisch-dynastischen Gründen wichtig, einen (männlichen) Erben zu zeugen und Bauern benötigten viele Arbeitskräfte. Kinder galten als Geschenk Gottes und weniger als Eigentum ihrer Eltern, wie es im alten Rom üblich gewesen war.

Theologen und Verfasser didaktischer Werke belehrten die Eltern über ihre Pflichten gegenüber ihren Kindern, da sie vor Gott für ihre Kinder verantwortlich seien. Ab dem 12. Jh. wurde die Jungfrau Maria verehrt und als Vorbild für die Mütter betrachtet.

Maria mit Kind von Albrecht Dürer (1526)
Maria mit Kind von Albrecht Dürer (1526)

Es ist wahrscheinlich, dass auch im Mittelalter Empfängnisverhütung und Abtreibung praktiziert wurden. Den medizinischen und naturwissenschaftlichen Autoren waren entsprechende Mittel bekannt und sie gaben sie in ihren Werken weiter. Wie zuverlässig diese waren, ist jedoch nicht bekannt. Zudem war die Anwendung aus religiösen Gründen eingeschränkt. In den kirchlichen Bußkatalogen wird z. B. Abtreibung mithilfe von Kräutern erwähnt.

Dabei hing die Beurteilung von den Motiven der Frau ab. Wenn eine arme Frau ein Kind abtrieb, da sie es nicht ernähren konnte, wurde dies von den kirchlichen Autoren milder beurteilt, als wenn sie es tat, um außerehelichen Geschlechtsverkehr zu verbergen. Zur Empfängnisverhütung wurde wohl vor allem der „coitus interruptus“ praktiziert, was von der Kirche immer wieder kritisiert wurde.

Auch die relativ lange Stillzeit von durchschnittlich zwei Jahren wurde vermutlich zur Empfängnisverhütung genutzt. Diese Methode ist jedoch nicht sehr zuverlässig. Frauen aus dem Adel haben möglicherweise ihre Kinder gezielt einer Amme anvertraut, um schneller wieder schwanger werden zu können.

Verwendete Literatur:

* Affiliate-Link zu Amazon.de. Wenn du etwas über einen dieser Links kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass du dafür mehr bezahlen musst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.