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Wanderung zur Fossa Carolina und zur Burg Treuchtlingen

Gestern bin ich mit einem Freund in der Nähe von Treuchtlingen gewandert. Treuchtlingen ist sehr gut mit dem Zug erreichbar, daher haben wir uns dort getroffen, ungefähr in der Mitte zwischen Würzburg und München. Es herrschte strahlender Sonnenschein und war fast zu warm zum Wandern, aber da der Weg zeitweise durch Wald bzw. am Wald entlang verlief, war es erträglich. Wir haben uns an dem ca. 17 km langen Wanderweg "Altmühlblick" orientiert, haben aber den ersten Teil der Strecke ein bisschen abgekürzt und sind vom Bahnhof auf kürzestem Weg zur Fossa Carolina (Karlsgraben) gegangen. Der Teil, der von der Fossa Carolina heute noch erhalten ist, liegt im Treuchtlinger Stadtteil Graben.

Die Fossa Carolina (Karlsgraben)

Die Fossa Carolina wurde im Jahr 793 auf Anordnung Karls des Großen ausgehoben. Sie gehört zu den größten technischen Kulturdenkmälern des frühen Mittelalters. Sie war ca. 3 km lang und verband die Altmühl mit der Schwäbischen Rezat. Dadurch wurde es möglich, per Schiff vom Rhein/Main die Donau zu erreichen und umgekehrt, sodass eine direkte Schifffahrtsverbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer bestand. Ganz in der Nähe befindet sich die europäische Hauptwasserscheide, die Grenze zwischen den Flusssystemen von Rhein und Donau. Die Fossa Carolina verband beide Flusssysteme miteinander (eine Aufgabe, die heute der Main-Donau-Kanal übernimmt).

Die Fossa Carolina wurde vermutlich nur kurze Zeit von Händlern genutzt, da die Passage aufwendig war. Niveauunterschiede mussten mittels Rutschen und Rollen überwunden werden, denn die Kammerschleuse war noch nicht erfunden worden, und für ein insgesamt niedrigeres Niveau wären noch viel aufwendigere Aushubarbeiten nötig gewesen. Daher wurde die Fossa Carolina schon kurze Zeit nach dem Bau wieder aufgegeben.

Auf unserer Wanderung sind wir dem Verlauf der Fossa Carolina nach Norden gefolgt, wo sie immer stärker versumpft und schließlich verlandet. An der europäischen Wasserscheide befindet sich ein Brunnen (siehe Foto weiter unten).

Südliches Ende des Karlsgrabens
Südliches Ende des Karlsgrabens

Karlsgraben

Karlsgraben

Brunnen an der europäischen Hauptwasserscheide
Brunnen an der europäischen Hauptwasserscheide

Die Burg Treuchtlingen

Von der Fossa Carolina sind wir weiter durch die Orte Bubenheim und Wettelsheim gewandert, dann durch den Wald Richtung Treuchtlingen, und kamen schließlich an der Burg Treuchtlingen an.

Der Wohnturm oder Bergfried der Burg Treuchtlingen wurde vermutlich Anfang des 12. Jh. erbaut. Die unteren zwei Meter sind noch erhalten, sie bestehen aus salischem Kleinquadermauerwerk. Die Mauerstärke beträgt 1,7 m. Der ebenerdige Eingang zum Wohnturm stammt aus dem Spätmittelalter. Im Burghof befindet sich eine rund 8 m tiefe Zisterne aus dem 13. Jh. Östlich vom Wohnturm liegt der Palas, von dem nur noch der Keller erhalten ist.

Die Burg Treuchtlingen ist als Sitz eines Zweiges der Ministerialenfamilie von Treuchtlingen belegt. Außerdem hatte die Familie einen Sitz in der Stadt, dort wo sich heute das Schloss befindet.

Im Mittelalter haben in der Burg mehrere Brände stattgefunden, nach denen die Burg wieder aufgebaut wurde. Dies fand man durch archäologische Grabungen heraus. Ab 1400 wurde die Burg endgültig aufgegeben. Im Napoleonischen Krieg und im Zweiten Weltkrieg und kam es zu weiteren Zerstörungen. In den letzten Jahren wurde der Wohnturm rekonstruiert und dabei um rund 9 m erhöht.

Übrigens findet auf dem Gelände der Burg Treuchtlingen jedes Jahr ein Burgfest statt, davon alle drei Jahre ein zweitägiges Historisches Burgfest mit mittelalterlichen Gewandungen usw. 2016 ist es am 18. und 19. Juni so weit.

Mauern der Burgruine Treuchtlingen
Mauern der Burgruine Treuchtlingen
Burgruine Treuchtlingen mit Bergfried
Die Burgruine Treuchtlingen mit Bergfried
Zisterne im Hof der Burg Treuchtlingen
Zisterne im Hof der Burg Treuchtlingen
Eingang zum Palas der Burg Treuchtlingen
Eingang zum Palas der Burg Treuchtlingen

Wir hatten für unsere Wanderung sechs Stunden eingeplant, die aber bei Weitem nicht nötig waren. Daher hatten wir genug Zeit für Pausen. Wir ließen den Tag in einem Café in Treuchtlingen ausklingen und fuhren danach wieder zurück nach München bzw. Würzburg. Alles in allem war es ein rundum gelungener Tag, an dem ich wieder einiges über das Mittelalter gelernt habe.

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